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divingEurope 2|2017 Vorwärts, rückwärts – was denn nun? Es ist eher ein oben (Augen) und unten (Schnabel), aber schnel- les Schwimmen als Fluchtreaktion findet im Rückwärtsgang statt, also mit dem Körpersack in Zielrich- tung, den Verfolger im Blick. Oder – ist das nur für uns „rückwärts“ und für die Tiere „vorwärts“? Weg vom Spätmittelalter in die Renaissance – lassen Kraken gern ganze Segelschiffe in die Tiefe ziehen. Nun denn. Vielleicht haben sich die alten Seebären auch einfach nur ei- nen Spaß mit den Landratten der damaligen Jahrhunderte gemacht? Klar haben sie über- trieben. Fakt ist aber auch: heute weiß man, dass in den nordischen Meeren schon ein paar größere Vertreter der Fa- milie Leben. Man mag Zweifel haben, ob solche Sagenge- 110 schichten nun Oktopden oder doch die Riesenkalmare auf- greifen. Jedoch nicht nur im Norden erregten Tintenfische Aufmerksamkeit. Schon im 1. Jahrhundert gab es im alten Rom Berichte, die den Gemeinen Oktopus (Oc- topus vulgaris) nicht gerade in gutem Licht erschienen lie- ßen. So beschrieb Cajus Pli- nius Secundus in der 37-bän- digen „Naturalis Historia“ Oktopoden, die (aufgemerkt:) an Land offene Behälter der Fischer plünderten. Wer jetzt kopfschüttelnd grinst und dem Wein im alten Rom die Schuld geben will: Durchtrieben sind die Biester schon. Und clever. Sie hatten ja auch Zeit sich zu entwickeln. Rund 100 Millio- nen Jahre behaupten sich die Cephalopoden schon in allen Ozeanen und so eben auch in allen europäischen Meeren. Der legendäre Meeresforscher Jacques Yves Cousteau hat ih- nen gleich ein ganzes Buch ge- widmet. In einem seiner Expe-